Beim ersten wie auch bei meinem zweiten Kind, als sie klein waren oder jetzt wo sie größer sind – überall und zu jeder Zeit tauchen gerne mal selbsternannte Experten aus dem näheren oder weiteren Umfeld auf, die alles besser wissen. Weil die Annegret hatte das bei ihrem Kind ja so gemacht und der Holger jenes zum Thema Schlaf bei Kleinkindern gelesen. Und dann hatte ja die Tante Brunhilde im Frühstücksfernsehen noch die Expertenrunde verfolgt und die hätten gesagt, dass … – Wer kennt das nicht.

In ihrem Ratgeber „Schlaf gut, Baby!“ räumen Nora Imlau und Herbert Renz-Polster nicht nur mit falschen Vorstellungen über den Schlaf und die Schlafbedürfnisse von Babys und Kindern auf, sondern geben verunsicherten Eltern Ratschläge an die Hand, nehmen ihnen Unsicherheit und stärken das Vertrauen in die eigene Stimme.

Die beiden Autoren erläutern auf nachvollziehbare Weise, warum Kinder und Eltern keine straffen Schlafprogramme brauchen und erklären auf gut nachvollziehbare Weise, warum es keinen Sinn macht Erwartungen an den Schlaf unserer Kinder zu knüpfen. Die Einbeziehung unseres evolutionären Erbes und das damit verbundene Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit erfordern von uns Eltern Verständnis, ein liebevolles Miteinander und Geduld. Eltern sollten sich von Behauptungen aus ihrem Umkreis oder von selbsternannten Experten frei machen, dass Kind oder Baby würde sie manipulieren und wäre mit sechs Monaten durchaus in der Lage ohne Stillen oder Füttern alleine in seinem Zimmer durchzuschlafen. Ja, nee, ist klar.

Back to the roots – Rund um den Schlaf von Babys und Kindern

„Schlaf gut, Baby!“ heißt dieses wunderbare Buch und doch bietet es so viel mehr an Informationen. Wissen, das auch für Eltern von (Klein)Kindern interessant ist. Herbert Renz-Polster und Nora Imlau verdeutlichen wie wichtig die Rückbesinnung auf unseren evolutionären Ursprung ist. Dass die Einforderung von Grundbedürfnissen wie Schutz und Nahrung kein „um-den-Finger-wickelndes-Kalkül“ der Kinder ist, sondern ein Urinstinkt, der unseren kleinen Vorfahren schon in der Steinzeit das Überleben gesichert hat. Dass wir uns heute nicht mehr vor nächtlichen Angriffen von Säbelzahntigern schützen müssen, wissen wir Eltern, nicht aber das Erbgut unserer Kleinen.

Meine Tochter schläft nach wie vor in meinem Bett und wenn mir jemand erzählt „Sie müsste doch jetzt langsam mal“ sage ich heute leichten Herzens „Sie muss gar nichts“. Aber ich gebe zu, es hat gedauert bis ich an diesem Punkt war. Auch wenn die meisten Eltern wissen, dass ihre Babys und Kinder Bedürfnisse signalisieren und nicht versuchen ihren „Willen durchzusetzen“ oder Mama und Papa „um den Finger zu wickeln“, unterstützt das Buch wunderbar das eigene Bauchgefühl und macht es leichter zu lächeln und zu winken und sich seinen Teil zu denken.

 

Schlaf gut, Baby! von Herbert Renz-Polster und Nora Imlau
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Und wenn Mama eine Pause braucht?

Doch was ist, wenn man als Mama einfach nicht mehr kann? Wenn das abendliche ins Bett bringen über Stunden geht. Wenn man nachts gefühlt jede Stunde wach wird weil der Nachwuchs etwas braucht? Auch dafür haben Herbert Renz-Polster und Nora Imlau Tipps parat. Sie erklären wie man auf sanften Wegen Lösungen findet, die die Eltern entlasten und den Kindern trotzdem Geborgenheit geben.

Das Autorenteam folgt während des gesamten Buches dem roten Faden der Liebe, Geborgenheit und Bedürfnisorientierung. Dabei werden nicht nur die Bedürfnisse der Kinder beleuchtet, sondern auch die der Eltern wahrgenommen. Es geht fast alles, wenn man sich Zeit nimmt. Kleine Schritte, Inne halten und dem Kind immer jemanden an die Seite stellen, der es auffängt. Denn auch für Kinder ist die Veränderung eines Rituals, eines „Nein, Mama, kann jetzt nicht, aber Papa ist ja da“ eine Neuerung, an die sie sich erst gewöhnen müssen.

Meine Meinung

Ich persönlich halte „Schlaf gut, Baby!“ für ein ganz wunderbares Buch. Es gibt Eltern so viel an die Hand und unterstützt sie auf ihrem Weg. Auch wenn sich der Inhalt des Buches zu einem großen Teil um den Babyschlaf im ersten Lebensjahr dreht, hätte ich mir einen Untertitel gewünscht, der signalisiert: Was wir hier schreiben, ist für alle Eltern von Kindern bis zum Grundschulalter interessant.

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Die Autoren äußern klar, was sie an den Werken anderer Autorenkollegen ablehnen. Doch sie tun dies auf einer professionellen und fachlichen Ebene. Die wissenschaftliche Erklärung des Verhaltens unserer Babys und Kinder hinsichtlich unserer „Steinzeit-Basis“ bestätigt Eltern, die bereits rein intuitiv bedürfnisorientiert handeln und bestärkt Eltern, die vielleicht noch nicht die Kraft hatten sich gegen den Lärm von außen und vielleicht auch gegen die gegenteiligen Ansichten von Hebammen oder Ärzten durchzusetzen und auf ihre eigene Stimme zu hören.

Und bei all den so locker dahergebrachten „Aber du musst doch dies“ und „das Baby muss doch das“, aus dem Familien- und Bekanntenkreis, geht es hoffentlich vielen Eltern nun leichter von den Lippen zu antworten „Einen Scheiß muss ich!“

 

 

ISBN: 9783833845987
208 Seiten, Hardcover
GU Verlag

 

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