Kinderbuchautorin Anja Kiel

Ich habe mich mal unter den Kindern in unserem Freundeskreis umgehört und lustigerweise hatten alle die gleiche Frage an Anja Kiel: Wie kommst du auf die tollen Ideen für deine Bücher?

Daraufhin habe ich meine Tochter gefragt, ob sie das auch interessiert oder ob sie vielleicht noch eine andere Frage hat. Ihre Reaktion kam prompt:

„Ach, Mama, das weiß doch jeder, die Ideen fliegen denen einfach so zu!“

Wie ist es wirklich, Anja? Fliegen dir die Ideen zu, kommt die Inspiration durch deine Kinder oder durch Erlebnisse im Alltag?

Das ist ganz unterschiedlich. Die Idee zu „Lara und die freche Elfe“ kam mir, als ich meiner  damals noch kleinen Tochter immer wieder Elfengeschichten vorlesen „musste“, in denen die Elfen rosarot gekleidet und lieb und hilfsbereit waren. Das hat mich ein bisschen genervt, weshalb ich Fritzi erfunden habe. Manche Ideen erarbeite ich mir regelrecht, weil ich zum Beispiel eine Anregung vom Verlag bekomme (Fortsetzung für „Lara und die freche Elfe“, aber mit Prinzessin). Dann schreibe ich erst mal alles auf, was mir zum Thema „Prinzessin“ einfällt. Natürlich fließt auch selbst Erlebtes in die Geschichten ein, etwa der unerwartet mit Nachwuchs gesegnete Hamster in „Ein Stern für Finja“ oder das bemalte Spielzeug in „Luna und das fliegende Pferd“. Ich habe einen riesigen Vorrat an Notizbüchern, in denen ich Ideen sammle, falls ich mal welche brauche.

Wir durften „Lara und die freche Elfe“ bei vielen Abenteuern begleiten. Jetzt hast Du mit Luna eine neue wunderbare Figur geschaffen. Ist das damit das Ende von Lara? Oder laufen beide Reihen nebeneinander weiter?

Leider ist die Reihe um Lara mit „Lara und die freche Elfe im Winterwald“ beendet worden. Allerdings ist es sowieso sehr ungewöhnlich, dass einer Figur aus der Leseraben-Reihe so viele Bände (sechs!) gewidmet werden. Das sind normalerweise Einzeltitel, weshalb ich sehr stolz bin, dass es so viele Lara-Abenteuer geben durfte. „Luna und das fliegende Pferd“ wird vermutlich ein Einzeltitel bleiben, aber es werden natürlich trotzdem weitere Leseraben von mir bei Ravensburger erscheinen. An einem schreibe ich gerade.

Du hast inzwischen auch für zwei TipToi-Bücher die Texte geschrieben. War das eine besondere Herausforderung für dich?

Bei den Tiptoi-Büchern habe ich viel enger mit der Redakteurin im Verlag und den jeweiligen Illustrator*innen zusammengearbeitet. Wir haben gemeinsam entschieden, was auf den Seiten des Buches zu sehen sein wird und welche kleinen Geschichten dazu erzählt werden könnten. Hier schreibe ich viel kleinteiliger, weil für jeden Tipp mit dem Tiptoi ein Sound oder ein kleiner Text überlegt werden muss. Toll war, dass ich sowohl für „Meine schönsten Märchen“ als auch für „Die Große Wimmelreise der Tiere“ auch Texte für Kinderlieder schreiben durfte, die extra im Studio vertont und produziert worden sind. Das war eine Herausforderung, die mir viel Spaß bereitet hat.

Kinderbuchautorin Anja KielWas war für dich persönlich der größte oder tollste Meilenstein/Erfolg als Kinderbuchautorin?

Puh, das ist schwer zu sagen. Das erste gedruckte Buch in Händen halten zu dürfen, ist natürlich ein besonderer Moment. Bei mir war das „Die Hüter des Schwarzen Goldes“, das ich zusammen mit meiner Mutter, der Autorin Inge Meyer-Dietrich geschrieben habe. Die erste gebuchte Lesung mit „richtigem“ Honorar vor Grundschulklassen war auf jeden Fall auch ein Meilenstein. Und als „Meine schönsten Märchen“ auf der Spiegel-Bestsellerliste landete (Platz 2 in der Kategorie „Sachbücher für Kinder“), war das ein irres Gefühl. Ich freue mich aber auch immer ganz besonders, wenn ich Rückmeldungen bekomme wie „Mein Kind ist eigentlich ein Lesemuffel, aber dieses Buch hat es freiwillig ganz alleine gelesen und findet es toll.“ Das ist das schönste Lob für mich und zeigt mir, dass ich meine Sache als Kinderbuchautorin gut mache.

Du betreust junge Autor:innen als Mentorin. Was ist der wichtigste Tipp, den du jungen lese- und schreibbegeisterten Menschen an die Hand geben möchtest?

Habt Geduld! Wer nur für sich schreibt, ist natürlich ganz frei in seinem Schreiben und muss sich an keine (Schreib-)Regeln halten. Wer anstrebt, (veröffentlichte/r) Autor*in zu werden, muss sich darauf einstellen, immer wieder von vorne zu beginnen, immer wieder zu überarbeiten, immer wieder Absagen zu bekommen, immer wieder Rückschläge aushalten zu müssen, immer wieder zu warten. Davon können auch erfolgreiche Autor*innen ein Lied singen und da braucht es eine Menge Durchhaltevermögen.

Und zum Lesen: Lest, worauf ihr Lust habt, aber lest! Ob das Romane, Kurzgeschichten, Sachbücher oder Comics sind, ist völlig egal – Lesen eröffnet einem neue Welten und davon sollte niemand ausgeschlossen bleiben.

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