Es im März als ich auf Twitter zufällig auf die Perlenmama und ihren Post über Geburten, Kliniken und Beleghebammen stieß, ließ ich auch meine erste Entbindung, die Geburtsreise noch einmal vor meinem inneren Revue passieren.

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde, habe ich mir geschworen mich nicht von irgendwelchen Ratgebern und Doktor Internet verrückt machen zu lassen. Mit Hebamme, Geburtsvorbereitungskurs und Klinikteam würde das schon alles laufen, so meine Gedanken.

Vielleicht war ich damals ein wenig blauäugig oder unbedarft – aber auf jeden Fall sehr entspannt. Ich hatte keine konkreten Vorstellungen davon wie die Entbindung ablaufen sollte. Eine Wassergeburt wäre toll gewesen, aber eine PDA war mir dann doch lieber.

Eine Hebamme hatte ich mir kurz vor knapp zwar noch organisiert, doch da diese ausgerechnet zum Zeitpunkt der Entbindung einen Urlaub geplant hatte, habe ich mich im Vorfeld auch mit ihrer Vertretung getroffen. Vor- und Nachteil dieser liebenswerten Frau? Sie war eine Klinikhebamme, die die Versorgung der (werden) Mütter zusätzlich zu ihrem Schichtdienst im Krankenhaus anbot.

Wie alles begann

Es ist ein warmer Sommerabend. Ich bin müde, kugelrund, habe Wassereinlagerungen und kann es kaum erwarten, dass mein Sohn endlich das Licht der Welt erblickt. Während ich mich an diesem Abend Bettfertig mache löst sich Schleimpropf und ich weiß bald geht es los.

Ich lege mich schlafen. Alles gut. In den frühen Morgenstunden stehe ich auf, das Baby drückt auf die Fruchtblase und der Gang zur Toilette steht an – platsch. Die Fruchtblase ist geplatzt. Es ist 4 Uhr morgens.

Die Reise beginnt – Langstreckenflug

Ich wecke meinen Mann und rufe in der Klinik an. Wehen habe ich keine, aber wir sollen trotzdem kommen. Damit beginnt eine Reise durch das Schichtsystem eines Krankenhauses. Ich sage mit Absicht nicht Odyssee, denn so dramatisch war es nicht. Aber es war sehr langwierig und rückblickend frage ich mich:

Was wäre gewesen wenn? Meine Hebamme hätte mir womöglich gesagt „Du hast noch keine Wehen? Es geht kaum Fruchtwasser ab? Leg dich nochmal hin, ich komme später vorbei“. Ich hätte die folgenden Stunden gemütlich in meiner kühlen Wohnung verbringen können. Auf dem Sofa liegend, im Flur auf und ab laufend oder in der Badewanne liegend.

Stattdessen habe ich meine Zeit, wie die anderen Frauen auch, an diesem heißen Sommertag in der Klinik verbracht. Und wie der Kinderzug auf der Kirchweih die immer gleiche Runde fährt, so fuhren auch wir die immer gleiche Strecke – stundenlang: Wartebereich, Untersuchung, Wartebereich, CTG (30 Minuten), 2 Stunden spazieren gehen.

Zwischenstopp

Weil sich bis Mittag noch nichts getan hat, bekomme ich ein Medikament, das die Wehen aktivieren soll. Von mir aus gerne. Aus diesem immerwährenden Trott auszubrechen wäre wunderbar. Inzwischen habe ich die zweite Hebamme und den ersten Arzt. Tablette geschluckt und weiter geht’s: W-U-W-CTG-S.

Was wäre gewesen wenn? Eine Beleghebamme hätte mir in der Zwischenzeit bereits ein Bett organisiert. Ein Zimmer, in das ich mich zurückziehen und mich auch mal ausruhen kann. Einen kühlen, ruhigen Rückzugsort nur für mich – und vielleicht noch die Zimmernachbarin. Statt den Wartebereich und irritiert bis ängstlich schauenden Daddys-in-progress.

Am Ende wird alles gut

Die Mütter kommen und gehen. Es ist 19 Uhr als ich endlich meine erste Wehe spüre. Wir sind bei Hebamme Nummer vier und Arzt Nummer zwei angelangt. Die Hebamme ist der absolute Jackpot. Einfühlsam, nett und fürsorglich. Ich bin erledigt und kann mich nur noch an Bruchstücke erinnern.

Gegen 21h bekomme ich die PDA – auch wenn der Muttermund noch nicht ganz soweit ist. Für mich ist das die Erlösung. Der Kreißsaal ist in warmes Licht getaucht, ich bin seit 21 Stunden wach, fix und fertig und erkläre den Anwesenden „Ich schlafe jetzt, weckt mich, wenn es los geht“. Mein Mann ist irritiert, die Hebamme nickt und lächelt wissend.

Wann was wie weiterging weiß ich gar nicht so genau. Ich habe einen Filmriss und jegliches Zeitgefühl verloren. Ich kann mich erinnern, dass sie meinem Sohn Blut abgenommen haben während er noch in mir war. Mein Mann hat mir erzählt, dass man seine Haare schon sehen konnte. Unser Sohn war also bereits in der Startposition. Ich weiß – auch von meinem Mann – dass der (junge) Arzt noch einmal Blut abnehmen wollte, die Hebamme dagegen war und die beiden ihre Meinungsverschiedenheit auf dem Gang ausgetragen haben. Die Hebamme hatte gewonnen.

Es muss 3:30 Uhr gewesen sein, als die Hebamme meine PDA reduziert hat, damit ich die Wehen spüren und mitpressen kann. Doch unser Großer wollte wohl nicht so ganz. Erst als der Arzt von oben mitgeholfen hat, ist unser Sohn um Punkt 4 Uhr auf die Welt gekommen.

So chaotisch sich mein Geburtsbericht auch liest, rückblickend betrachtet hatte ich das Glück zu jedem Zeitpunkt auf meiner Seite.

Auf der Station

Hier hätte ich mir mehr als alles andere eine Hebamme, meine Hebamme gewünscht. Eine zugewandte, freundliche Person, die sich mir als Neu-Mama annimmt. Mit Rat und Tat zur Seite steht, bei Bedarf erklärt und keinen Gesichtsausdruck mit sich herumträgt, der sagt „Was will die denn jetzt schon wieder, kriegt die das nicht alleine gebacken?“

Was wäre gewesen wenn? Ich hätte meine Hebamme anrufen können. Sie hätte nach mir geschaut, sich um uns gekümmert, mich beim Stillen unterstützt und mir Tipps gegeben. Auch wenn sich im Nachhinein herausgestellt hat, dass ich nicht genug Milch hatte, um zu stillen.

 

 

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